Produkte von einer Zielgruppe befreien
Der SMART ist ein sehr schönes Beispiel für eine Innovation mit der eine neue Wettbewerbsarena geschaffen werden sollte. Diese Schweizer Uhr auf Stern-Rädern, ist auf den ersten Blick ein Auto. Vier Räder, ein Lenkrad, 2 Sitze, Aschenbecher usw. Alles drin, alles dran. Und doch war die Idee von v. Hayek, dass der Smart kein Auto, sondern der Prototyp für ein neues Mobilitätskonzept ist, das verschiedene Beförderungsmittel miteinander kombiniert. Dazu gehört die Idee, die Verkehrsträger Flugzeug, Bahn und Auto enger zu vernetzen. Dieses Mobilitätskonzept kann dann so aussehen: Der Geschäftsmann fährt mit seinem Smart direkt am Bahnhof vor. Sein Auto wird von dem Smart-Keeper im Parkhaus geparkt. Am Zielbahnhof wird unserem Geschäftsmann wiederum ein Smart übergeben. Nachdem er seine Termine in der fremden Stadt erledigt hat, liefert er den „Mini“ anschließend am Bahnhof wieder ab. Zuhause steht sein eigener Smart frischgewaschen und vollgetankt am Bahnhof bereit. Diese Chance wurde aber vertan.
Tatsächlich wurde nur eine etwas weniger bedeutsame neue Wettbewerbsarena dadurch geschaffen, den SMART als individuelles Fortbewegungsmittel für städtische Kurzfahrten zu positionieren.
Der (große) Erfolg bleibt bisher aus. Einer der Gründe ist sicherlich, dass in der Vergangenheit versucht wurde, den SMART als Auto zu verkaufen, bzw. gar versucht wurde eine neue Automarke zu kreieren. Dies verlangte dann neue Modelle (Cabrio, Viertürer usw.) zu entwickeln. Die FTD.de berichtet am 15. Februar, dass Mercedes in 2011 den Vertrieb des SMART in den USA neu organisieren wird. Weiter heißt es dort: „Branchenkenner kritisieren jedoch das Grundkonzept des Wagens. >Der Smart ist in seiner heutigen Auslegung weder Fisch noch Fleisch. Er hat keine richtige Zielgruppe<, sagt Autoexperte Helmut Becker jüngst. >Es hat sich eben gezeigt, dass es sehr schwer ist, in den USA ein neues Auto mit einer dem amerikanischen Lebensgefühl widersprechenden Philosophie zu etablieren<, sagte Autoprofessor Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach FTD.de. Er sieht jedoch eine Chance für das Auto durch den momentanen Elektro-Hype. >Smart und Elektro: Das könnte passen<".
Und genau darin liegt das Problem: Der SMART will ja eigentlich kein Auto sein. Deshalb kann er auch nicht mit den bekannten Methoden eines Autoverkaufs erfolgreich werden. Erst, wenn der Mut aufgebracht wird, den SMART nicht als Auto, sondern als individuelles Mobilitätskonzept zu positionieren, hat diese Innovation wirklich die Chance, noch erfolgreich zu werden – und das über 12 Jahre nach der Markteinführung. Wie bei der Bahn, in der der Opa mit seinen Enkeln Monoploy spielt, während die Geschäftsfrau an ihrem Mac-Book die Abschlusspräsentation bei einem Kunden vorbereitet, kann dieses Mobilitätskonzept befreit von einer Zielgruppe, im Bedarfsfall genutzt werden.

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