Bild dir deine Kohle, oder: Warum es ein Geschmäckle hat, wenn Unternehmen sich anstrengen, ihre Produkte verkaufen
„Bild dir deine Meinung“. Mit dieser treffenden Überschrift kommentiert die SZ am 5.4. eine neue Studie zum Phänomen „Bild“. In der Studie „Drucksache Bild – Eine Marke und ihre Mägde“ wird nicht der eher individuelle Journalismus der Bild-Zeitung untersucht; vielmehr wird dargestellt, dass die Bild-Zeitung gar keine richtige Zeitung, sondern eine „Marketing- und Verkaufsmaschine“ sei. Für die Vermarktung der mehr als 100 „Volksprodukte“ jährlich erhält die Bild-Zeitung, je nach Media-Leistung, zwischen 600.000 und 1.200.000 €. Insgesamt werden also über 100 Millionen Euro jährlich umgesetzt. Aufgrund des Geschäftsmodells sicherlich ein sehr ertragreicher Umsatz. Warum werden solche wirtschaftlichen Erfolge im Zusammenhang mit der Bild-Zeitung überhaupt thematisiert?
Sicherlich liegt das auch daran, dass es nach wie vor ein großes Missverständnis darüber gibt, welche Aufgaben ein Unternehmen hat und was Marketing und Verkauf eigentlich tatsächlich sind. Die Bezeichnung „Marketing- und Verkaufsmaschine“ dient doch dazu von der Bezeichnung „Zeitung“ abzugrenzen. Die Studie erweckt fast den Eindruck, als wenn eine Zeitung wie die Bild-Zeitung, oder auch die SZ, oder die FAZ, oder die TAZ, oder die ... einen Selbstzweck oder einen Sendungsauftrag zu erfüllen hätten, auf keinen Fall aber als Unternehmen im Markt fungieren würden. Dabei ist es die Aufgabe eines Unternehmens für seine Leistungsangebote zahlungswillige und zahlungsfähige Kunden zu finden und diese dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Jeder Student lernt im ersten Semester, dass dies als Marketing (und Verkauf) bezeichnet wird. Warum wählen die Autoren dann diese Abgrenzung? Wie ist Ihre Meinung?

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